Finanzen als Freiberufler: So meisterst du deine Steuern mit Leichtigkeit
Mittwoch, 15. Mai 2024, 10:00 Uhr
Die meisten Selbstständigen setzen nach den Erfahrungen von Tino Keller zu wenig ab, weil sie Angst haben, ihre Begründung vertreten zu müssen. Keller, Geschäftsführer eines Anbieters von Buchhaltungssoftware, geht im Mai 2024 auf der Freelance Unlocked 2024 durch, was im Alltag oft schiefläuft. Er sagt von sich, kein Steuerberater zu sein, sondern Praktiker. Alle Aussagen geben den Stand von Mai 2024 wieder, Regeln können sich seitdem geändert haben.
**Worum es geht**
- Ordnung: Lege dich auf ein festes Belegsystem fest, digital oder gedruckt. Die Aufbewahrungsfrist beträgt laut ihm zehn Jahre. Wer Fristen und Vorauszahlungen nicht im Blick hat, bekommt Briefe vom Finanzamt und schnell ein Liquiditätsproblem.
- Umsatzsteuer: Der Rhythmus der Meldungen kann sich mit Kunden im Ausland ändern. Rechnungen an Kunden in Österreich laufen über Reverse Charge, die Schweiz ist ein Drittland. Wer dort versehentlich Umsatzsteuer ausweist, muss sie zahlen. Die Kleinunternehmerregelung hat im B2B-Geschäft seiner Erfahrung nach Nachteile.
- Betriebsausgaben: Es komme auf eine Begründung an, die du vor einem Prüfer vertreten kannst. Verpflegungsmehraufwand bei mehr als acht Stunden auswärts lasse sich auch für das vergangene Jahr nachtragen. Private Mitnutzung sei unschädlich, wenn es sich geschäftlich schon lohnt, etwa bei einer BahnCard. Alltagskleidung, Brille und Krankenversicherung gehören nicht in die Einnahmenüberschussrechnung.
- Bewirtung: Auf dem Beleg stehen Namen und Anlass. Bei der Einkommensteuer zählen nach seiner Erklärung 70 Prozent.
- Steuerberatung: Er hat Honorare von 60 € Monatspauschale bis 275 € pro Stunde gesehen und rät, zu verhandeln. Eine GmbH lohne sich aus seiner Sicht erst bei nachhaltig mehr als 100.000 € Gewinn.
**Aus der Fragerunde**
Reisen lassen sich in beruflich und privat aufteilen, etwa 60 zu 40, das müsse man erklären können. Ein Arbeitszimmer in der eigenen Immobilie nennt er eine Steuerfalle, weil sie Betriebsvermögen werden kann.
**Für wen**
Für Freelancer, die ihre Steuern besser verstehen wollen, bevor sie mit einer Steuerberatung sprechen. Das ist keine Steuerberatung.