Daniel Schöttler hat Ende der 90er in sieben, acht Monaten richtig viel Geld verdient, sich ein Traumauto gekauft und die Steuer vergessen. Dann kam der Steuerbescheid über einen fast sechsstelligen Betrag, fällig in zehn Tagen. Er hat das Auto verkauft und sich Geld bei seiner Oma geliehen. Mit Miguel Drescher erzählt er von fünf Fallen, die sie in der Gründungsberatung bei der ING immer wieder sehen.
Die fünf Fallen
- Steuerfalle. Umsatz ist nicht dein Geld. Steuern kommen zeitversetzt, Nachzahlung und Vorauszahlung können gleichzeitig fällig werden. Leg von Anfang an einen festen Betrag zur Seite. Auch Pflichtbeiträge zu Kammern können vierstellig werden.
- Kostenfalle. Eine frühere Unternehmensberaterin übernahm ihren Konzernstandard: Firmenwagen mit rund 2.000 € Leasingrate, teure Software-Lizenzen, ein eigenes Büro in Berlin. Nach der Beratung zog sie ins Coworking und senkte die Fixkosten deutlich. Halte sie niedrig und gib nur aus, was da ist.
- Kundenfalle. Ein IT-Freelancer machte rund 80 Prozent seines Umsatzes mit einem Kunden, bis das Projekt nach drei Jahren eingestellt wurde. Ihre Faustregel: kein Kunde über 30 Prozent. Dazu kommt das Risiko der Scheinselbstständigkeit, wenn du in den Räumen des Kunden und nach dessen Weisung arbeitest.
- Kontenfalle. Eine Marketing-Managerin führte alles über ihr Privatkonto. Bei mehreren hundert Buchungen war nicht mehr klar, was Geschäftsessen und was privat war, und der Steuerberater rechnet das nach Stunden ab. Ihr Rat: ab Tag 1 ein Geschäftskonto. Die gewerbliche Nutzung eines Privatkontos untersagen die AGB der Banken meist.
- Liquiditätsfalle. Ein Hochzeitsfotograf mit vollem Auftragsbuch hatte gleichzeitig eine defekte Kamera, späte Zahlungen und einige Krankheitstage. Umsatz ist nicht Liquidität. Plane den Cashflow für die nächsten vier bis sechs Monate, automatisiere Mahnungen, vereinbare Anzahlungen und sichere dich ab.
Aus der Fragerunde
Wie hoch die Reserve sein soll: Es gibt keine Pauschale. Rechne deine monatlichen Fixkosten inklusive Lebenshaltung aus und multipliziere sie. Sie nannten sechs Monate als Ziel, ein Zuhörer rief zwölf.
Für wen
Für alle, die gerade gründen oder im ersten Jahr sind.