Holger Volland stand im Urlaub auf Naxos vor einem geschlossenen Besucherzentrum, fragte ChatGPT im Sprachmodus nach dem Tempel vor ihm und bekam eine Zeitreise erzählt. Besser als jeder Reiseführer, dachte er. Dann: Ich bin Verleger. Der Chef des Wirtschaftsmagazins brand eins nimmt diesen Moment als Ausgangspunkt für die Frage, was von Expertenwissen bleibt, wenn es sich automatisieren lässt.
Worum es geht
- Warum Wissen als Geschäftsmodell wackelt: Die Digitalisierung hat Wissen demokratisiert, KI macht es nun beliebig reproduzierbar. Die oft zitierte Prognose, 2026 seien 90 Prozent der Online-Inhalte KI-generiert, hält er für übertrieben, in manchen Bereichen liegt der Anteil trotzdem schon bei nahezu 100 Prozent.
- Was „Slop“ im Alltag bedeutet: Er nennt Zahlen zu KI-Videos, KI-Artikeln und erfundenen Zitaten in Fachpublikationen, und Exposés von 17 Seiten für einen einseitigen Artikel, die nach den ersten vier Zeilen als Prompt zu erkennen sind.
- Was Technologie nicht repliziert: Haltung, Stimme, Erfahrung, Mut. Seine These: Wer wiedererkannt werden will, muss wichtiger sein als das Wissen, das er mitbringt.
- Wie brand eins arbeitet: Fünf Leute in der Redaktion, dahinter ein Netzwerk von rund 500 Autorinnen und Autoren sowie Fotografen und Illustratorinnen. Das Entscheidende an den Freelancern ist die Reibung: Redaktionssitzungen sind vor allem Streit, und der funktioniert nur mit Vertrauen.
- Zwei Beispiele für die „Kollision der Perspektiven“: wie 3M bessere Verkehrsschildfolien entwickelte, indem Außenstehende dazukamen, und ein dänisches KI-Notrufsystem, das nur bei Muttersprachlern funktionierte, bis eine Linguistin fragte, wer eigentlich getestet wurde.
Aus der Fragerunde
Würde er trotzdem noch Reiseführer kaufen (nein, aber der Reiseführer der Zukunft braucht Chat und geprüftes Wissen), und warum viele Unternehmen Freelancer noch nicht so einbinden. Seine Antwort: Die Verfolgung von Scheinselbstständigkeit ist eines der größten Probleme, aber der wirtschaftliche Druck wird eher zu mehr Freelancern führen.
Für wen
Für Freelancer, die sich fragen, was ihr Wissen noch wert ist und wo sie sichtbar werden.