„Wie würdet ihr den Standort für Unternehmertum in Deutschland benoten?“ Marc Clemens eröffnet die Gesprächsrunde am 11. Juni 2026 auf dem blauen Sofa mit einer Schulnote. Die Antworten der drei Gäste liegen um die 3 bis 4, auch im Publikum geht kaum jemand höher. Über eine Stunde sprechen Sandra Stein (Bündnis 90/Die Grünen), Wilfried Oellers (CDU/CSU) und die Autorin Cathi Bruns, Initiatorin von 4 Millionen Plus, über die Rolle der Selbstständigkeit in der deutschen Wirtschaft.
Worum es geht
- Respekt. Sara Webers Zahl aus der Eröffnungskeynote, 90 Prozent der Selbstständigen fühlten sich von der Politik nicht respektiert, bestätigt Sandra Stein: Bei mehreren geplanten Entlastungen der Regierung seien Selbstständige vergessen worden. Wilfried Oellers sagt, das Thema habe in seiner Fraktion hohen Stellenwert, auf dem Gesetzgebungsweg komme zu wenig an. Cathi Bruns will Selbstständigkeit zur Normalität machen: Ihre Zahl sinkt seit Jahren, ein Reformvorschlag nach dem anderen lasse sie außen vor.
- Vollkasko oder Eigenverantwortung. Beide Abgeordneten sprechen über Risiko als „DNA der Selbstständigkeit“ und fragen, wie viel der Staat abnehmen soll. Cathi Bruns hält den Begriff Vollkasko für aufgesetzt, vielleicht wollten Menschen das gar nicht.
- Statusfeststellung. Die Übergangsregelung zum Herrenberg-Urteil ist verlängert, aber Oellers will die Zeit nicht ausschöpfen und noch 2026 zu einer Reform kommen. Der bisherige Entwurf sei nicht gut. Er plädiert für Positivkriterien, weil Weisung und Eingliederung allein zu dünn sind.
- Bürokratie. Beispiele von Solo-Selbstständigen: Verpackungsverordnung und Dokumentationspflichten, die aus der Logik von Konzernen gedacht sind. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben beschlossen, solche Pflichten nur noch mit Begründung beizubehalten.
- Bild der Selbstständigkeit. Unternehmertum ist an Schulen kaum Thema und vielen fehlt der Bezug in der Familie. Stein will früher ansetzen, Bruns sieht die Normalisierung auch bei den Selbstständigen selbst.
Zum Schluss
Jede und jeder gibt ein Versprechen: Oellers will beim Status hart verhandeln, Stein hält die Tür für Gespräche offen und will den sozialliberalen Teil bei den Grünen stärken, Bruns will weiter für Freiräume streiten, denn Freiheit zu verlieren geht schnell.
Für wen
Für Freelancer, die wissen wollen, was Politikerinnen und Politiker im Juni 2026 zu ihrer Lage sagten.