Clemens Glade wurde für Content engagiert und war plötzlich faktisch Projektleiter. Ein anderes Mal betreute er die PR einer Airline und wurde nebenbei zum Coach seiner Vorgesetzten, die in einer persönlichen Krise steckte. Bei einer Agentur verteidigte er ständig das Gendern, obwohl der Kunde es ausdrücklich wollte. Seine These: Überlastung, schwierige Kundenbeziehungen und schlechtes Pricing entstehen selten aus fehlendem Können, sondern weil Freelancer Rollen übernehmen, für die sie nie beauftragt wurden. Im Talk haben die Teilnehmenden das selbst ausprobiert.
Worum es geht
- Drei Ebenen: du selbst, der offizielle Auftrag (Vertrag, Briefing, vereinbarte Leistung) und der inoffizielle Auftrag. Der wird fast nie ausgesprochen, aber emotional erwartet: beruhige unser Chaos, rette das Team, halte alles zusammen.
- Die Mini-Aufstellung: Jede Person legte drei Zettel (Ich, offizieller Auftrag, inoffizieller Auftrag) mit einem Schritt Abstand auf den Boden, stellte sich nacheinander auf jeden und nahm wahr, ohne zu bewerten, wie sich der Platz anfühlt. Zurück auf „Ich“ lauteten die Fragen: Wo habe ich Verantwortung übernommen, die nie meine war? Was will ich künftig bewusst entscheiden, statt es automatisch zu übernehmen?
- Sein Gedanke dahinter: Der Körper merkt oft früher als der Kopf, dass etwas nicht stimmt, und professionelle Nähe braucht professionelle Distanz, also Klarheit statt Kälte.
Aus der Fragerunde
- Den Graubereich kennen und rechtzeitig die Notbremse ziehen. Entsteht ein inoffizieller Auftrag, sprich ihn an. Etwa so: Das mache ich gern, sollen wir es im bestehenden Vertrag erledigen oder neu beauftragen? Sagt der Kunde, dafür habe er kein Geld, dann will er es auch nicht, und das Risiko ist vom Tisch.
- Die Übung lässt sich allein wiederholen, bei jedem neuen Kunden und in den ersten Projektschritten.
Für wen
Für Freelancer, die sich von Kunden überfordert fühlen, obwohl die Arbeit gut läuft.