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Selbständigkeit in Deutschland – Reformen, aktuelle Lage, Ausblick

  • Recorded at FUN26
  • 27:14
  • German
FUN / Talk
FUN26 Lilian Tschan

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„Ich wäre als Selbstständige froh, wenn ich überhaupt einen Kinderkrankentag nehmen könnte.“ Diesen Satz einer Mutter aus der Kita ihres Sohnes stellt Staatssekretärin Lilian Tschan an den Anfang. Er zeigt für sie die Spannung zwischen Freiheit und Absicherung, die Selbstständige tragen. In ihrem Vortrag am 12. Juni 2026 erklärt sie, wie das Bundesarbeitsministerium die Lage einschätzt, welche Reformen vorbereitet werden und wie die Regierung weitermacht. Danach beantwortet sie Fragen von Marc Clemens.

Worum es geht

  • Die Lage: In Deutschland arbeiten rund 3,5 Millionen Menschen im Haupterwerb selbstständig, mehr als die Hälfte davon solo. Eine Studie des Ministeriums unter mehr als 2.000 Selbstständigen zeigt ein vielfältiges Bild: Viele stehen auf solidem Fundament, für etwa jede fünfte Person ist die wirtschaftliche Situation deutlich schwieriger.
  • Die Statusfeststellung: Nach dem Herrenberg-Urteil braucht es neue Regeln. Die Übergangsregelung für Bildungsträger und Lehrkräfte ist bis Ende 2027 verlängert, ein neues Gesetz soll bis Ende 2026 kommen. Leitplanken: Der Wille der Vertragsparteien bekommt mehr Gewicht, die Sozialversicherung bleibt aber nicht allein Ermessenssache, Selbstständigkeit muss unternehmerisches Handeln bleiben und die Regeln gelten für alle Branchen. Details zum Entwurf nennt sie nicht.
  • Die Altersvorsorge: Eine allgemeine Pflicht steht im Koalitionsvertrag, und die Alterssicherungskommission sollte im Juni 2026 ihren Abschlussbericht vorlegen.
  • Plattformarbeit und KSK: Die EU-Plattformrichtlinie muss bis Ende 2026 in deutsches Recht, echte Selbstständigkeit auf Plattformen bleibt möglich. Die Künstlersozialversicherung soll unabhängig davon finanziert werden, ob Werke digital oder analog verwertet werden.

Aus der Fragerunde

Soll der Staat entscheiden, wer selbstständig ist? Ihre Antwort: Die alleinige Entscheidung des Einzelnen wird es nicht geben, aber die Abgrenzung soll so klar werden, dass nachträgliche Einstufungen nicht mehr vorkommen. Ob Statusfeststellung und Altersvorsorge getrennt betrachtet werden sollten: Verfahrensrechtlich seien es zwei Fragen, für die Betroffenen aber ein Gesamtbild. Und warum die gesetzliche Rente? Sie sei im internationalen Vergleich gut, brauche aber eine neue Finanzierung.

Für wen

Für Freelancer, die verstehen wollen, wie die Politik zur Reform stand, bevor der Entwurf in die Abstimmung ging.