Die Herausforderungen der länderübergreifenden Arbeit als Freelancer
Mittwoch, 15. Mai 2024, 10:00 Uhr
Wer in Frankreich als Freelancer über einen Payroll-Dienstleister arbeitet, zahlt nach der Schilderung von Michael Bender an der Quelle rund 45 Prozent Steuern, dazu Sozialabgaben, von denen er später oft nichts hat. Bender, der nach eigener Aussage 15 Jahre lang in 15 Ländern als Freelancer gearbeitet hat und heute in Genf lebt, zeigt im Mai 2024 auf der Freelance Unlocked 2024, was bei der Arbeit über Grenzen hinweg schiefgehen kann. Alle Angaben sind seine Erfahrung, Stand Mai 2024, Regeln können sich seitdem geändert haben.
**Worum es geht**
- Vier Felder: Recht (Handels-, Arbeits-, Urheberrecht, Datenschutz, Haftpflicht, Steuern), Finanzen, Sprache und Vertragsmodelle. Eine deutsche Berufshaftpflicht greife in New York nicht.
- Steuern und Abgaben: Niedrige Steuern bringen wenig, wenn die Lebenshaltung dreimal so teuer ist. Auch Selbstständige zahlen laut ihm in Frankreich, Österreich und der Schweiz Sozialversicherung. Ohne Doppelbesteuerungsabkommen kann zweimal Steuer anfallen.
- Frankreich und Großbritannien: Wer auf die Payroll eines Dienstleisters geht, hat Steuern und Abgaben sicher. Möglich sei auch ein Nachunternehmervertrag, wenn der Kunde mitmacht. Bender empfiehlt dafür Englisch als Vertragssprache.
- Schweiz: Eine Pensionskasse nehme ihm zufolge ab dem dritten Monat etwa 10 bis 15 Prozent vom Lohn. Selbstständig zu arbeiten sei selten, weil der Auftraggeber für Sozialabgaben mithaften kann. Seine Faustregel für Remote-Arbeit: mehr als die Hälfte der Zeit vor Ort in der Schweiz, sonst drohen Sozialabgaben in beiden Ländern.
- Geld und Sprache: Zahlungen von Neobanken oder in Pfund gingen in seiner Praxis oft verloren oder kämen mit Abzügen an. Er rät, den Leistungsumfang schriftlich festzulegen, damit sprachliche Missverständnisse nicht zu Mehrarbeit führen.
**Aus der Fragerunde**
Am meisten verdiene man laut ihm in der Schweiz, ab 120.000 € Jahresumsatz bleibe dort trotz höherer Kosten mehr übrig. Größte Hürde sei für ihn das Ankommen gewesen: Bankkonto, Wohnung, Handyvertrag. Sein Rat: ein internationales Konto vor der Abreise.
**Für wen**
Für Freelancer, die ein Projekt in Frankreich, Großbritannien oder der Schweiz erwägen. Das ist keine Steuer- oder Rechtsberatung.