130 Bewerbungen auf ein Projekt, und ein Recruiter sieht sich laut einem englischen Kollegen nur die ersten zehn an: Mit diesem Beispiel stieg das Panel am 14. Mai 2025 in die Frage ein, warum Freelancer so oft nichts mehr hören. Jan Schächtele, Luuk Houtepen, Carlos Frischmuth und Marc Clemens vertreten Personaldienstleister und Plattformen. Sie diskutierten, was neue Marktplätze besser machen als klassische Recruiter, und wo sie sich ähnlicher werden, als es klingt. Die Aussagen sind ihre Sicht von 2025.
Worum es geht
- Hyperspezialisierung: Statt Generalisten gibt es immer mehr Marktplätze für einzelne Segmente, Schächtele nennt rund 800. Das Geschäft bleibt aber ein People Business. Hürden wie Einkäufer, Ausschreibungen und Regulierung sprechen laut den Panelisten gegen reine Plattformen.
- Digitalisierung nimmt repetitive Arbeit ab. Frischmuth sagt, bei Personaldienstleistern gingen etwa 80 Prozent der Kosten auf Personal, der Kostendruck der Kunden zwinge zum Digitalisieren. Die Rolle der Recruiter verschiebe sich zu Matching und Vertrieb.
- Feedback: Seit Jahren nenne die Freelancer-Studie fehlende Rückmeldungen als größten Ärger. Konsens auf dem Panel: Nach einem Gespräch oder einer persönlichen Ansprache gehört Feedback dazu. Bei Massenbewerbungen ist eine Absage weniger zu erwarten. Das Anreizsystem (Recruiter werden nach Abschlüssen bezahlt) bremse das.
- Daten: Freelancer pflegen ihre Verfügbarkeit in zehn Profilen, ein Anbieter hat in sechs Monaten 60.000 Profile nachgefragt. Clemens plädiert für Datenhoheit beim Freelancer und Metasuche statt eigener Vermittlung. Einen verlässlichen Lebenslauf als „Single Source of Truth“ sehen die Panelisten nicht, auch LinkedIn kann ihn nicht verifizieren.
- Politik: Scheinselbstständigkeit und Statusfeststellung bleiben ein Hemmnis. Unternehmen, die ganz auf Freelancer verzichten, werden nach Ansicht von Frischmuth und Houtepen später oft zurückkommen.
Aus dem Publikum
Der eine CV existiert nicht, sondern der passende. Und Freelancer sollten ihre Profile nicht zur Commodity werden lassen: Netzwerk und Positionierung zählen weiter.
Für wen
Für Freelancer, die über Plattformen und Vermittler arbeiten.